Das Wesentliche am Satz ist also das, was allen Sätzen, welche den gleichen Sinn ausdrücken können, gemeinsam ist.
Und ebenso ist allgemein das Wesentliche am Symbol das, was alle Symbole, die denselben Zweck erfüllen können, gemeinsam haben.
Die Stelle präzisiert den Tractatus-Grundgedanken: Der Sinn eines Satzes besteht in seinen Wahrheitsbedingungen; daher können verschiedene Satzzeichen denselben Sinn haben. Was sie „wesentlich“ gemeinsam haben, ist ihre logische Form, d.h. die Struktur, die mit der Welt korrespondiert (Bildtheorie) und die Wahrheitsfunktion bestimmt. Äußerliche Merkmale des Zeichens (Schrift, Lautung, Notation) sind unwesentlich.
„Symbol“ bezeichnet beim frühen Wittgenstein das Zeichen im sinnvollen Gebrauch; sein Wesen liegt in der Rolle, die es in der logischen Syntax spielt. Alle Symbole, die denselben Zweck erfüllen, teilen dieselben Kombinationsmöglichkeiten und Projektionsregeln.
Philosophisch zielt dies auf eine rein formale Auffassung von Bedeutung: Logik untersucht nicht empirische Zeichen, sondern das, was allen adäquaten Darstellungen gemeinsam ist. Darum kann die logische Form nicht gesagt, sondern nur gezeigt werden – eine These, die die Idee der allgemeinen Form des Satzes (als Wahrheitsfunktion atomarer Sätze) vorbereitet.
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