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Sprechen über Sprache im Tractatus
32 S. 24

Allerdings unterscheiden sich jene zufälligen Eigenschaften, welche über einen materiell supponierten Ausdruck ausgesagt werden, im Zusammenhang mit der Problematik des Sprechens über Sprache nicht wesentlich von jenen zufälligen Eigenschaften, die von formell supponierten Ausdrücken ausgesagt werden .- wovon sie sich aber hauptsächlich unterscheiden, das sind die formalen Eigenschaften, die von materiell supponierten Ausdrücken ausgesagt werden. Wird eine zufällige Eigenschaft der Sprache über einen in materieller Supposition stehenden Ausdruck ausgesagt, so ist nichts dagegen einzuwenden (es ist wie gesagt prinzipiell dasselbe, wie wenn von einem in formeller Supposition stehenden Ausdruck eine zufällige Eigenschaft ausgesagt wird) - ist es aber eine wesentliche Eigenschaft, so ist dieser „Satz" mit Wittgenstein nicht zuzulassen, sondern als unsinnig (überflüssig) abzulehnen

Oder anders ausgedrückt: Wird von einem materiell supponierten Ausdruck eine dessen Status als Zeichen betreffende Eigenschaft ausgesagt, so ist dieser Ausdruck (bloß) in Anführungszeichen zu setzen, wird aber von einem materiell supponierten Ausdruck eine dessen Status als Symbol betreffende wesentliche Eigenschaft ausgesagt, so resultiert laut Wittgenstein immer ein unsinniger Satz

Dies ist auch die Ausgangslage der Antinomien: von einem Ausdruck in materieller Supposition wird eine formale Eigenschaft ausgesagt, sowohl bei den „metalogischen" als auch bei den „logischen": der „Lügner" behauptet etwas über den Sinn-pragmatisch seiner Behauptung: die Behauptung in materieller Supposition ordnet sich selbst die formalpragmatische Eigenschaft „negiert" zu; in der „Klassen"-Antinomie: einem materiell supponierten Ausdruck wird die formalsyntaktische Eigenschaft „Klasse sein" zugeordnet. zusätzlich mit „nicht sich selbst zu enthalten", - dann wird dem formalen Begriff „Klasse", in materieller Supposition stehend, die formale Eigenschaft „Klasse sein" zugeordnet usw. - jedenfalls: dass man dabei dem formalen Begriff „Klasse" die formale Eigenschaft „Klasse sein" zuschreiben muss, das ist die Folge davon, dass er in „'Mensch ist eine Klasse" syntaktisch als Klasse verwendet wird.

🤖 Claude-Analyse 25.09.2026 22:27

# Analyse

Der Text expliziert Wittgensteins Unterscheidung zwischen materieller und formeller Supposition (eine scholastisch-logische Terminologie, die der Autor auf Wittgenstein appliziert) als Schlüssel zum Verständnis der Antinomienproblematik.

Kernargument: Die Autorin/der Autor zeigt, dass zufällige (empirische) Eigenschaftsaussagen über sprachliche Ausdrücke – ob material oder formell supponiert – logisch unproblematisch und äquivalent sind. Problematisch wird es erst, wenn wesentliche (formale) Eigenschaften von material supponierten Ausdrücken ausgesagt werden. Hier verstößt man gegen die Zeichen/Symbol-Unterscheidung des Tractatus: Ausdrücke in materieller Supposition fungieren als bloße Zeichen (in Anführungszeichen), während formale Eigenschaften nur dem Symbol (der Bedeutungsfunktion) zukommen dürfen.

These zu den Antinomien: Sowohl die Lügner-Antinomie als auch die Russellsche Klassen-Antinomie werden strukturell gleich analysiert: In beiden Fällen wird einem material supponierten Ausdruck eine formale (pragmatische bzw. syntaktische) Eigenschaft zugeschrieben – eine Kategorienverwechslung, die nach Wittgenstein zu Unsinn führt.

Position: Der Autor liest Wittgenstein als Auflösung (nicht Lösung) der Antinomien durch Aufweis einer Sprachverwirrung – die vermeintlichen Paradoxien sind demnach unsinnige Pseudosätze, keine echten logischen Probleme.

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