Es gibt also wirklich einen Sinn, in welchem in der Philosophie nicht-psychologisch vom Ich die Rede sein kann.
Das Ich tritt in die Philosophie dadurch ein, dass die „Welt meine Welt ist“.
Das philosophische Ich ist nicht der Mensch, nicht der menschliche Körper, oder die menschliche Seele, von der die Psychologie handelt, sondern das metaphysische Subjekt, die Grenze – nicht ein Teil der Welt.
# Analyse zu TLP 5.641
Wittgenstein unterscheidet hier zwischen dem empirisch-psychologischen Ich und dem "philosophischen" bzw. "metaphysischen" Subjekt. Dies knüpft an Schopenhauers Konzeption des Subjekts als Bedingung der Vorstellung an, das selbst nicht in der Welt vorkommt.
Das metaphysische Ich ist keine Entität in der Welt (wie Körper oder Seele), sondern die Grenze der Welt – vergleichbar dem Auge, das das Gesichtsfeld begrenzt, sich selbst darin aber nicht sieht (vgl. 5.633). Es ist die transzendentale Bedingung dafür, dass es überhaupt "meine Welt" gibt.
Diese Position bereitet den radikalen Solipsismus-Gedanken vor (5.6: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt"), der sich zugleich mit dem reinen Realismus deckt (5.64): Da das Ich auf einen bloßen Punkt ohne Ausdehnung schrumpft, bleibt die Welt übrig – das Subjekt verschwindet als koordinierende Grenze, ohne inhaltlich in ihr aufzutreten.
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