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Tagebücher 1914–1916
22. 8. 14.

Die Logik muß für sich selber sorgen.

Wenn sich syntaktische Regeln für Funktionen überhaupt aufstellen lassen, dann ist die ganze Theorie der Dinge, Eigenschaften etc. überflüssig. Es ist auch gar zu auffällig, daß weder in den "Grundgesetzen" noch in den "Principia Mathematica" von dieser Theorie die Rede ist. Nochmals: denn die Logik muß für sich selbst sorgen. Ein mögliches Zeichen muß auch bezeichnen können. Alles, was überhaupt möglich ist, ist auch legitim (erlaubt). Erinnern wir uns an die Erklärung, warum "Sokrates ist Plato" unsinnig ist. Nämlich darum, weil wir eine willkürliche Bestimmung nicht getroffen haben, aber NICHT darum, weil das Zeichen an und für sich etwa illegitim sei!

🤖 ChatGPT-Analyse 11.09.2026 21:31

Wittgenstein markiert hier die Autonomie der Logik: Sinn und Unsinn werden durch die logische Syntax bestimmt, nicht durch eine vorgängige Ontologie von „Dingen“ und „Eigenschaften“. Darum ist eine Theorie dieser Kategorien überflüssig; die richtige Zeichenpraxis zeigt die logische Form selbst (sie braucht keine metaphysischen Begründungen). „Ein mögliches Zeichen muß auch bezeichnen können“ heißt: Was wohlgemäß gebildet ist, hat die Fähigkeit, einen möglichen Sachverhalt darzustellen; es gibt kein extralogisches Verbot jenseits syntaktischer Schranken („Alles, was möglich ist, ist erlaubt“). „Sokrates ist Plato“ ist unsinnig, sofern es nicht als willkürliche Festsetzung (Definition der Zeichenidentität) dient: Identität ist kein Sachverhalt der Welt, sondern ein Notationsproblem. Das antizipiert zentrale Thesen des Tractatus (Selbständigkeit der Logik, Zeigen vs. Sagen, Identität 5.53ff) und erklärt Frege/PMs Verzicht auf Ontologietheorien.

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