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Tagebücher 1914–1916
8. 9. 14.

Das "Einleuchten", von dem Russell so viel sprach, kann nur dadurch in der Logik entbehrlich werden, daß die Sprache selbst jeden logischen Fehler verhindert. Und es ist klar, daß Jenes Einleuchten immer gänzlich trügerisch ist und war.

🤖 Claude-Analyse 11.09.2026 21:43

# Interpretation

Diese Textstelle formuliert eine zentrale Kritik an Russells logizistischem Programm und antizipiert bereits Wittgensteins spätere Grundposition im Tractatus.

Kritik an Russell: Russell berief sich bei der Rechtfertigung logischer Axiome (etwa in den Principia Mathematica) auf ein intuitives "Einleuchten" (self-evidence) – gewisse Sätze erscheinen unmittelbar einsichtig und bedürfen keiner weiteren Begründung. Wittgenstein hält dies für ein unzureichendes, ja "trügerisches" Fundament, da Intuition subjektiv und fehleranfällig ist.

Die alternative Lösung: Statt sich auf psychologische Evidenz zu verlassen, fordert Wittgenstein, dass die Sprache selbst durch ihre logische Struktur (Syntax) logische Fehler unmöglich macht. Dies verweist auf seine Konzeption der Logik als etwas, das sich in der Struktur der Sprache zeigt und nicht durch zusätzliche Einsicht gesichert werden muss.

Systematische Bedeutung: Damit wird bereits die Tractatus-These vorbereitet, dass logische Sätze Tautologien sind, die nichts sagen, sondern sich aus der Form der Sprache selbst ergeben – Gewissheit durch Struktur statt durch Intuition.

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