Um einen Gegenstand zu kennen, muss ich zwar nicht seine externen – aber ich muss alle seine internen Eigenschaften kennen.
# Interpretation von TLP 2.01231
Wittgenstein unterscheidet hier zwischen internen und externen Eigenschaften eines Gegenstandes:
- Externe Eigenschaften betreffen zufällige, kontingente Zustände – wie sich ein Gegenstand faktisch in der Welt verhält, welche Konfigurationen er tatsächlich eingeht.
- Interne Eigenschaften hingegen sind konstitutiv für das, was der Gegenstand ist – seine logische Möglichkeitsform, d.h. die Struktur seiner möglichen Verbindungen mit anderen Gegenständen in Sachverhalten.
Diese Stelle steht im Kontext von Wittgensteins Ontologie der einfachen Gegenstände (2.01ff.). Ein Gegenstand ist durch seine logische Form bestimmt – durch das, was an möglichen Kombinationen mit anderen Gegenständen a priori feststeht. Diese Form macht die "Substanz der Welt" (2.021) aus.
Das "Kennen" eines Gegenstandes ist somit kein empirisches Wissen um seine tatsächlichen Zustände, sondern ein logisches Verstehen seiner Kombinationsmöglichkeiten – analog zum Verstehen eines Satzes, ohne seinen Wahrheitswert zu kennen (vgl. 4.024).
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