Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische.
# Interpretation von TLP 6.522
Diese Aussage markiert den Höhepunkt von Wittgensteins Grenzziehung zwischen dem Sagbaren und dem Zeigbaren. Nachdem der Tractatus die Logik der Sprache als Abbildung von Tatsachen der Welt entwickelt hat (Bildtheorie), stößt Wittgenstein an eine fundamentale Grenze: Es gibt Bereiche – Ethik, Ästhetik, den Sinn des Lebens, das Mystische –, die sich nicht propositional aussprechen lassen, weil sie außerhalb der Welt der Tatsachen liegen.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen sagen und zeigen: Was nicht gesagt werden kann, kann sich dennoch manifestieren – etwa in der logischen Form der Sprache selbst oder im Staunen über die Existenz der Welt überhaupt ("nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern dass sie ist", 6.44).
Diese Stelle bereitet den berühmten Schlusssatz (7: "Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen") vor und zeigt, dass Wittgensteins Anliegen kein bloß logisch-technisches, sondern zutiefst ethisch-existentielles ist.
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