In jedem der folgenden Zitate ist von „zeigen" die Rede: genauer betrachtet, erkennt man darin einen Systemansatz von verschiedenen Dimensionen des „Zeigen":
(1): „Was in den Zeichen nicht zum Ausdruck kommt, das zeigt ihre Anwendung." (TLP-3.262) Dies sei als „Zeigen-pragmatisch" („Zeigen-p") bezeichnet.
(2): „Der Satz zeigt seinen Sinn." (TLP-4.022) Dies sei als „Zeigen-inhaltlich („Zeigen-i") bezeichnet.
(3) „Dass etwas unter einen formalen Begriff als dessen Gegenstand fällt, kann nicht durch einen Satz ausgedrückt werden. Sondern es zeigt sich an dem Zeichen dieses Gegenstandes selbst." (TLP-4.126) Dies sei als „Zeigen-formal" („Zeigen-f") bezeichnet. - Ein Spezialfall ist das artifizielle Zeigen-formallogisch der logischen Sätze (Tautologie und Kontradiktion) („Zeigen-fl"): „Die Sätze der Logik demonstrieren die logischen Eigenschaften der Sätze, indem sie sie zu nichtssagenden Sätzen verbinden." (TLP-6.121) Dazu gesondert in Kapitel 3.3
(4): „Dass ein Satz weiter zerlegbar ist, das zeigt sich, wenn wir ihn durch Definitionen weiter zerlegen." (TB 11.10.14) Dies sei als „Zeigen-analytisch" („Zeigen-a") bezeichnet.
(5): „Die Logik ist keine Lehre, sondern ein Spiegelbild der Welt." (TLP-6.13) Dies sei als „Zeigen-formal-inhaltlich" („Zeigen-fi") bezeichnet und zwar in ontologischer und epistemologischer Hinsicht.
(6): „Es gibt allerdings Unaussprechliches: dies zeigt sich, es ist das Mystische." (TLP-6.522) „Das Ich tritt in die Philosophie dadurch ein dass die 'Welt meine Welt ist'." (TLP-5.641) Dies sei als „Zeigen-transzendent" („Zeigen-t") bezeichnet.
# Interpretation der Textstelle
Der Autor unternimmt eine systematische Ausdifferenzierung des in der Wittgenstein-Forschung oft unspezifisch verwendeten Begriffs des „Zeigens" im Tractatus. Statt „Zeigen" als monolithisches Konzept zu behandeln, identifiziert er sechs distinkte Dimensionen, die anhand konkreter Textbelege verankert werden: pragmatisches (Anwendung der Zeichen), inhaltliches (Sinn des Satzes), formales (formale Begriffe), analytisches (Zerlegbarkeit durch Definition), formal-inhaltliches (Logik als Weltspiegel) und transzendentes Zeigen (das Mystische, das Ich).
Diese Taxonomie verfolgt das methodische Ziel, die notorisch schwierige und oft als vage kritisierte Zeigen-Sagen-Unterscheidung präziser zu fassen. Der Autor positioniert sich damit gegen eine undifferenzierte Lesart und für eine analytische Rekonstruktion, die verschiedene logische, semantische und metaphysische Ebenen des Tractatus voneinander trennt. Die Untergliederung des „Zeigen-formal" in einen logischen Spezialfall (Tautologien) verweist zudem auf die argumentative Sorgfalt, mit der später (Kap. 3.3) einzelne Aspekte vertieft werden sollen.
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