Sehr nahe liegt die Verwechslung zwischen der darstellenden Beziehung des Satzes zu seiner Bedeutung und der Wahrheitsbeziehung. Jene ist für verschiedene Sätze verschieden, diese ist eine und für alle Sätze die Gleiche.
Es scheint als wäre "(x,ϕ).ϕx" die Form einer Tatsache ϕa.ψb.θc etc. (Ähnlich wäre (∃x).ϕx die Form von ϕa, wie ich auch wirklich glaubte.)
Und hier muß eben mein Fehler liegen.
Untersuche doch den Elementarsatz: welches ist denn die Form von "ϕa" und wie verhält sie sich zu "~ϕa".
Jener Präzedenzfall, auf den man sich immer berufen möchte, muß schon im Zeichen selber liegen.
Die logische Form des Satzes muß schon durch die Formen seiner Bestandteile gegeben sein. (Und diese haben nur mit dem Sinn der Sätze, nicht mit ihrer Wahr- und Falschheit zu tun.)
In der Form des Subjekts und des Prädikats liegt schon die Möglichkeit des Subjekt-Prädikat Satzes etc.; aber – wie billig – nichts über seine Wahr- oder Falschheit.
Das Bild hat die Relation zur Wirklichkeit, die es nun einmal hat. Und es kommt darauf an: wie soll es darstellen. Dasselbe Bild wird mit der Wirklichkeit übereinstimmen oder nicht übereinstimmen je nachdem, wie es darstellen soll.
Analogie zwischen Satz und Beschreibung: Der Komplex, welcher mit diesem Zeichen kongruent ist. (Genau so in der graphischen Darstellung.)
Nur kann man eben nicht sagen, dieser Komplex ist mit jenem kongruent (oder dergleichen), sondern dies zeigt sich. Und daher nimmt auch die Beschreibung einen anderen Charakter an.
Es muß ja die Abbildungsmethode vollkommen bestimmt sein ehe man überhaupt die Wirklichkeit mit dem Satze vergleichen kann, um zu sehen, ob er wahr oder falsch ist. Die Vergleichsmethode muß mir gegeben sein, ehe ich vergleichen kann.
Ob ein Satz wahr oder falsch ist, muß sich zeigen.
Wir müssen aber im voraus wissen, wie es sich zeigen wird.
Daß zwei Leute nicht kämpfen, kann man darstellen indem man sie nicht kämpfend darstellt und auch so, indem man sie kämpfend darstellt und sagt, das Bild zeige, wie es sich nicht verhält. Man konnte mit negativen Tatsachen ebensogut darstellen wie mit positiven –. Wir aber wollen bloß die Principe der Darstellung überhaupt untersuchen.
Der Satz "'p' ist wahr" ist gleichbedeutend mit dem logischen Produkt von 'p' und einen Satz "'p'", der den Satz 'p' beschreibt, und einer Zuordnung der Bestandteile der beiden Sätze. – Die internen Beziehungen von Satz und Bedeutung werden durch die internen Beziehungen zwischen 'p' und "'p'" abgebildet. (Schlechte Bemerkung.)
Nur sich nicht in Teilfragen verstricken, sondern immer dort hinaus flüchten, wo man freien Überblick über das ganze eine große Problem hat, wenn auch dieser Überblick noch unklar ist!
"Ein Sachverhalt ist denkbar" ("vorstellbar") heißt: Wir können uns ein Bild von ihm machen.
Der Satz muß einen logischen Ort bestimmen.
Die Existenz dieses logischen Orts ist durch die Existenz der Bestandteile allein verbürgt, durch die Existenz des sinnvollen Satzes. Wenn auch kein Komplex in dem logischen Ort ist, so ist doch Einer: nicht in dem logischen Ort.
# Interpretation der Textstelle vom 1.11.14
Diese Passage markiert einen zentralen Wendepunkt in Wittgensteins Entwicklung der Bildtheorie des Satzes. Er identifiziert einen früheren "Fehler": die Verwechslung zwischen der Darstellungsbeziehung (wie ein Satz auf seine Bedeutung verweist) und der Wahrheitsbeziehung (ob er zutrifft). Während erstere für jeden Satz spezifisch ist (durch seine logische Form bestimmt), ist letztere universal – "eine und für alle Sätze die Gleiche".
Zentral ist die Einsicht, dass die logische Form eines Satzes bereits durch die Form seiner Bestandteile feststehen muss, bevor über Wahrheit oder Falschheit entschieden werden kann. Dies führt zur berühmten Formel: "Die Abbildungsmethode muß vollkommen bestimmt sein, ehe man überhaupt die Wirklichkeit mit dem Satze vergleichen kann."
Damit bereitet Wittgenstein die spätere Unterscheidung im Tractatus vor zwischen Sinn (der durch die logische Form/Abbildungsmethode a priori feststeht) und Wahrheitswert (der sich erst im Vergleich mit der Wirklichkeit "zeigt", 4.061ff.). Die Bemerkung zu p und "p" antizipiert zudem seine Kritik an redundanten Wahrheitstheorien.
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