Dieser geschichtsphilosophischen Analyse entspricht die Analyse des "Wissens in den informatisierten Gesellschaften"9 der Gegenwart. Die gegenwärtige Situation ist dadurch gekennzeichnet, daß nicht mehr so sehr ideologische Verwirrungs- und Unifikationstendenzen vorherrschen, sondern daß die Moderne in der postmodernen Situation hart und faktisch geworden ist, sich zementiert hat als geschlossenes System, das sich selbst erhält und perpetuiert: die technologische Wirklichkeit hat das Ideal der Moderne, ein allgemeingültiges Sprachspiel für die Regulation der sozialen Pragmatik zu finden,, ,durch ihre totalisierende Prätention" und "durch den Zynismus ihres Performativitätskriteriums"10 ersetzt. Die technologische Entwicklung kommt aus ohne den philosophischen Dunst der Legitimation durch Ideale und bestätigt deren Fruchtlosigkeit. Das Unendliche ist bereits in "eine Instanz investiert"11.
Das Grundübel der Moderne erblickt Lyotard in der "Vernunftverwirrung": stets ist die kognitive Vernunft "in eine soziale, ökonomische oder politische Ordnung eingeschrieben. Von der Wissenschaft wird erwartet, daß durch sie mehr Gerechtigkeit, mehr Wohlstand und mehr Freiheit ermöglicht wird."12 Aber gerade ein "Gutteil der Verbrechen, oder zumindest der Enttäuschungen" der letzten „00 Jahre ist auf dieses "Konkubinat zweier Ordnungen"13 der Vernunft zurückzuführen.