TLP-3.315 Verwandeln wir einen Bestandteil eines Satzes in eine Variable, so gibt es eine Klasse von Sätzen, welche sämtlich Werte des so entstandenen variablen Satzes sind. Diese Klasse hängt im allgemeinen noch davon ab, was wir, nach willkürlicher Übereinkunft, mit Teilen jenes Satzes meinen. Verwandeln wir aber alle jene Zeichen, deren Bedeutung willkürlich bestimmt wurde, in Variable, so gibt es nun noch immer eine solche Klasse. Diese aber ist nun von keiner Übereinkunft abhängig, sondern nur noch von der Natur des Satzes. Sie entspricht einer logischen Form - einem logischen Urbild
Die Begriffe „logische Form", „logisches Urbild" sind wieder als logisch im weiteren Sinn zu nehmen, denn jede Sinndimension hat ja solche wesentlichen Eigenschaften. Das Prinzip der Formalisierung von Sätzen fällt also offenbar zusammen mit dem Prinzip der „Klassifizierung", indem ein Sinnausdruck eines Satzes durch jene Variable ersetzt wird, die er wegen einer bestimmten formalen Eigenschaft hat, wodurch nun eine „Klasse" von Sätzen definiert ist, welche Werte dieser Satzvariablen sind.
TLP-4.1271 Jede Variable ist das Zeichen eines formalen Begriffes. Denn jede Variable stellt eine konstante Form dar, welche alle ihre Werte besitzen, und die als formale Eigenschaft dieser Werte aufgefasst werden kann.
Es muss also so viele variable geben, als es formale Eigenschaften gibt, und zwar pragmatische Variable (Operationsschemata) für formalpragmatische Eigenschaften, syntaktische Variable (syntaktische Schemata) für formalsyntaktische Eigenschaften und semantische Variable für formalsemantische Eigenschaften. Variable sind in einem gewissen Sinn konstant, nämlich das konstante Merkmal (die konstante formale Eigenschaft) einer Klasse von Sätzen, welche Werte dieser Satzvariable sind.