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S. 20

Das Ziel dieses Abschnittes soll ein weiterer kurzer Seitenblick auf die Antinomien-Problematik sein und zwar besonders unter dem Blickwinkel der Traktat-Unterscheidung zwischen „formalen" und „eigentlichen Begriffen" und deren Relevanz: wenn diese Unterscheidung ist m.E. ein denkwürdiger Ansatz für eine Erklärung und Lösung des sprachlichen (besser: formalsprachlichen) Phänomens der Antinomien.1

Als erstes ist darin ein geeigneter Anhaltspunkt für eine Systematisierung der Antinomien zu finden (und eine solche ist ja immer einer der ersten Schritte im Zuge einer Erklärung und Lösung eines Problems), Entgegen der üblichen Auffassung soll hier die These vertreten werden, dass alle Antinomien so etwas wie ein gemeinsames Entstehungsschema haben: durch die Verwechslung formaler und eigentlicher Begriffe bzw. Eigenschaften und dadurch, dass ein formaler Begriff unter sich selbst fällt, wird ein Konflikt heraufbeschworen zwischen zwei (per definitionem sich ausschließenden) formalen Eigenschaften bezüglich jenes selbstbezüglichen Begriffes. Im Hinblick auf eine mögliche Systematik der Antinomien heißt dies: je nachdem, um welche formalen Eigenschaften es in der fraglichen Antinomie geht und welcher Sinndimension diese angehören, kann man die Antinomien einteilen in: formalsemantische, formalsyntaktisch und formalpragmatische.

In üblichen Systematisierungen hingegen werden die Antinomien sozusagen in ernst zu nehmende, weil die Konsistenz der Logik gefährdende) Antinomien und in Bagatell-Antinomien (weil „nur" in der Umgangssprache vorkommende) eingeteilt. Waismann z.B. schreibt:

„Diese ((die Antinomien)) zerfallen, wie wir heute wissen, in zwei scharf geschiedene Gruppen: in Antinomien, die sich mit den Mitteln der symbolischen Logik darstellen lassen, die also in einem formalisierten System auftreten würden, wenn nicht Vorsorge gegen sie getroffen wäre und in solche, zu deren Formulierung gewisse außerlogische Begriffe der Wortsprache benötigt werden." (Waismann (30), 137)


1 Vgl. auch: L Goldstein, Tautology and contradiction An Introduction to the sinnlos in: (9), S.350 - 353 „However, I believe that the Tractatus does contain the seeds of a theory of the categories of linguistic entity, from which a satisfactory solution of the paradoxes springs." (S. 352) ↩