Inwieweit hat nun Wittgenstein den Typenbegriff auch im Hinblick auf den Satz modifiziert analog zur greifbareren Modifikation im Hinblick auf die Zahl? Prinzipiell scheint im Satz wohl dazu eine Disposition zu bestehen, nur Anlass dafür gibt es für den TLP-"Satz" keinen, zumal das wahrheitspragmatische Reglement gilt, wonach „¬ ¬p" = „p":
TLP-6.231 Es ist eine Eigenschaft der Bejahung, dass man sie als doppelte Verneinung auffassen kann.
Die Frage ist: Schließt das „="-Zeichen hier auch eine Typengleichheit der beiden Sätze ein? Bzw.: Ist überhaupt eine Veranlassung gegeben, die Typen von „¬ ¬p" und „p" zu unterscheiden? Die Antwort auf die zweite Frago: Da „¬...." im Traktat nichts als die nackte Wahrheitsoperation ist ohne jegliche pragmatischen Parameter (ohne Kontextualisierung, z.B. Person, Zeit, etc.), ist „¬ ¬..." ebenso nur die nackte Negation einer ersten nackten Negation. D.h.: das Reglement des wahrheitspragmatischen Sprachspieles im TIP macht eine Typendifferenzierung zwischen '¬ ¬p" und „p" überflüssig - obwohl sich eine solche aus TLP-5.251 herauslesen ließe.
Würde man aber annehmen, die Entwicklung der wahrheitspragmatischen Dimension im TLP ginge über diese rudimentäre Theorie der Wahrheitsoperationen hinaus (keine Frage: als Ablösung vom logizistischen Paradigma ist die selbst auch als mehrheitlich logizistisch interpretierte TLP-Philosophie bemerkenswert genug!), - d.h. wären auch andere pragmatische Operatoren miteinbezogen (so werden ja auch im Bereich der Mathematik verschiedene Operationsarten angenommen), wie z.B. „befehlen", „fragen", etc., dann würde sich sehr wohl die Notwendigkeit ergeben, Sätze zu relativieren hinsichtlich der Anzahl der Anwendung ein und derselben Operation auf ein Satzradikal, und d.h. „Wittgensteinisch"-typenmäßig zu bestimmen: „??p" wäre: „Es wird gefragt, ob gefragt wird, ob p"; - „!!p" wäre: „Es wird befohlen, dass befohlen werde, dass p". Hier ist es offensichtlich, dass sich „???p" von „?p" unterscheidet, genauso „!!!p" von „!p", während bei „¬ ¬ ¬ p" und „ ¬p" der Unterschied flachfällt (man könnte natürlich auch einen Kalkül konstruieren, in dem auch dieser Unterschied relevant ist). Und: Warum (mit dieser offenen Frage sei dieser Exkurs abgeschlossen) sollte dieser Unterschied nicht einer des „Wittgenstein'schen" Typs sein, zumal ja die betreffenden Sätze differieren hinsichtlich der Anzahl der auf sie jeweils angewandten Operationen?