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Wittgenstein andererseits rottet die Disposition zur Selbstbezüglichkeit in diesen Begriffen dadurch aus, indem er das typenrelative Selbstbezüglichkeitsverbot Russells nicht akzeptiert, stattdessen die Typenrelativität aufhebt und ein absolutes Selbstbezüglichkeitsverbot fordert: der sinnvolle Sprachgebrauch ist auf die eigentlichen Eigenschaften zu beschränken, die formalen Eigenschaften sind davon auszuschließen - damit kommt die Disposition zur Selbstbezüglichkeit in den formalen Begriffen erst gar nicht dazu, in scheinbar dem eigentlichen gleichwertigem Sprachgebrauch Unsinn und Widerspruch zu erzeugen.

Damit entgeht Wittgenstein einer ungemütlichen Konsequenz aus der Russellschen Typentheorie (und ähnlicherweise aus der Theorie der Metasprachenhierarchie): dass die Hierarchie der Typen, welche man auf einen formalen Begriff aufbauen kann, unendlich ist, ja sogar unendlich sein muss, denn eine Beendigung dieser Hierarchie hätte, wenn auch in den sublinsten Typensphären, einen Selbstbezug zur Folge und der Widerspruch wäre da. Wittgenstein begrenzt aber diese von Russell postulierte Typen-Offenheit, indem er die formalen Begriffe kurzerhand als untauglich für den Sprachgebrauch ausschließt und so eine nicht überbrückbare Grenze zwischen eigentlichen und formalen Begriffen schafft.

Kurz noch am Beispiel des „Gesetzes vom Widerspruch" - Russell:

„Take, for example, the law of excluded middle, in the form 'all propositions are true or false'. If from this law we argue that, because the law of excluded middle is true or false, we incur in a vicious-circle fallacy. 'All propositions' must be in some way limited before it becomes a legitimate totality, and any limitation which makes it legitimate must make any statement about the totality fall outside the totality." (Russell (21), S. 38)

Weil Russell das Gesetz des Widerspruches als einen sinnvollen Satz voraussetzt, braucht er ein neues Gesetz, welches das erste, das nicht in die durch sich selbst definierte Totalität fallen kann, als sinnvollen logischen Satz ausweist.

Wittgenstein geht den einfacheren Weg: das Gesetz des Widerspruches ist selbst kein sinnvoller Satz und untersteht also nicht dem Gesetz des Widerspruches. vgl.:

TLP-6.123 Es ist klar: Die logischen Gesetze dürfen nicht selbst wieder logischen Gesetzen unterstehen.