Wie kann nun durch Beachtung verschiedener Suppositionsarten eine metalogische Antinomie vermieden werden? Am Beispiel des „Lügners" (ebd., S. 78, 79):
(1) 'c' ist falsch = def. c
D.h.: 'c' sei eine Abkürzung für „'c' ist falsch". Setzt man nun in die „gelaufige Definition für die Wahrheit einer Aussage"
(2) X ist wahr ↔ X
anstelle von X „'c' ist falsch" ein, so erhält man:
(3) „'c' ist falsch" ist wahr -↔ c ist falsch.
Bei Nichtbeachtung der Suppositionsregel würde man jetzt aufgrund der Definition (1) „'c' ist falsch" durch „c" ersetzen und so die Antinomie erhalten:
(4) c ist wahr ↔ c ist falsch.
Da aber „'c' ist falsch" in materieller Supposition steht kann es nicht durch „c" ersetzt werden.
Was ich zeigen will, ist, dass die Unterscheidung der Suppositionsarten wohl prinzipiell etwas bringt, in der hier dargestellten Weise aber nicht: sie wird hier sozusagen zu spät bemüht. Hauptsächlich aber taugt sie nicht für eine Differenzierung der Antinomien in solche, bei denen die Suppositionsregeln nicht befolgt werden, und in solche, bei denen sie befolgt werden. Ich meine, dass auch die hier sogenannten „logischen Antinomien" auf eine Nichtbeachtung unterschiedlicher Suppositionen zurückgeführt werden müssen.
Zuerst sei angemerkt, dass die Scholastik nicht nur zwischen zwei Suppositionsarten (also materieller und formeller) unterschied, sondern auch zwischen zwei materiellen Suppositionsarten. Ein Zitat: